Die unter Krieg und Vertreibung leidenden
Menschen in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu erhalten von der
internationalen Gemeinschaft nicht genug Aufmerksamkeit und Hilfe. Die
aktuellen Kämpfe haben die Krise im Osten der Demokratischen Republik Kongo
zwar wieder in die Medien gebracht, die Menschen in den Kivus leiden jedoch
bereits seit Jahren unter einem gewaltsamen Konflikt. Mit einem
internationalen Multimediaprojekt will Ärzte ohne Grenzen ihnen nun eine
Stimme geben. Die internationale Hilfsorganisation ist eine der wenigen, die
noch in der Region arbeiten. Das Projekt "Condition Critical" zeigt die
Lebenssituation in Nord- und Süd-Kivu und lässt deren Bewohner selbst zu
Wort kommen. "Das Leben eines jeden in den Kivus ist von Gewalt geprägt",
sagte Helen O'Neill, stellvertretende Programmverantwortliche für die
dortigen Projekte, am Donnerstag bei der Projektvorstellung in Berlin. "Ihr
Alltag ist ein Kampf ums Überleben."
In den Kivus sind Häuser und Ländereien zu Schlachtfeldern geworden. Die
Kinder kennen nichts anderes als Konflikt und Krieg. "Die Zukunft bedeutet
zu sterben", sagt ein 18-jähriger Malaria-Patient von Ärzte ohne Grenzen.
Zehntausende Menschen wurden aus ihren Dörfern vertrieben. Ärzte ohne
Grenzen ist äußerst besorgt um diejenigen, die immer wieder vor den
andauernden Kämpfen fliehen müssen. Sie brauchen dringend Nahrung, Wasser,
medizinische Hilfe, Decken, Hygieneartikel und Unterkünfte.
Wegen der aktuellen Kämpfe kommt es häufiger zu Cholera-Fällen, auch an
Orten, an denen die Krankheit üblicherweise nicht auftritt. Die
Sanitärsituation ist mangelhaft, es fehlt an sauberem Wasser, die
Bevölkerung ist ständig in Bewegung und die Vertriebenenlager sind
überfüllt. Als Reaktion auf die sich verschlechternden Lebensumstände
intensiviert Ärzte ohne Grenzen die Nothilfe in der Region.
Derzeit arbeiten Teams in der Stadt Goma und anderen Orten in Nord- und
Süd-Kivu, unter anderem in Rutshuru, Kibati, Kiwanja, Masisi, Kitchanga,
Mweso, und Kayna. Die Teams führen Notfallchirurgie durch, behandeln
Schusswunden und Verbrennungen und versuchen mit mobilen Kliniken diejenigen
zu erreichen, die in abgelegenere, sicherere Gebiete geflohen sind. Sie
arbeiten in Krankenhäusern und Gesundheitszentren, reagieren auf Epidemien
wie Cholera, versorgen Opfer sexueller Gewalt und bieten psychologische
Unterstützung an.
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