Weltkindertag: 25 Millionen pakistanische Kinder ohne Schule
Armut und mangelnde Bildung sind Nährboden für Fanatiker
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| Duisburg/Islamabad, 18. September 2007 |
Anlässlich des Weltkindertages am 20. September weist die Kindernothilfe auf die hohe Zahl von Kindern ohne Schulbildung in Pakistan hin. Nach Einschätzungen der Kinderrechtsorganisation SPARC (Society for the Protection of the Rights of The Child) aus Islamabad besuchen 25 Millionen Kinder und Jugendliche im Land keine Schule. Das ist beinahe jedes dritte Kind. Pakistan investiert lediglich 2,1 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes ins Bildungswesen. Mit diesem Anteil rangiert es weltweit unter den letzten zwölf Staaten. Mädchen sind besonders benachteiligt: Nur etwa jede dritte Frau kann lesen und schreiben.
Der Direktor der Kindernothilfe-Partnerorganisation SPARC, Qindeel Shujaat, fordert daher größere Anstrengungen im Bildungssystem: "Die Ausgaben für Bildung müssen dringend auf zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen. Die Hälfte unserer 160 Millionen Einwohner sind Kinder und Jugendliche. Sie alle brauchen einen Zugang zu Bildung und Ausbildung. Und das geht nicht ohne ein klares Bekenntnis unserer Regierung."
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| photo: Su-Kyung Han |
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Der fehlende politische Gestaltungswillen führt auch zu einer wachsenden Zahl
von Koranschulen. Rund 45.000 dieser Medresen existieren nach Einschätzung des
SPARC-Direktors derzeit in Pakistan. Da es keine einheitlichen Bildungsstandards
gibt, übernehmen sie mehr und mehr die Bildung vor allem der Jungen aus ärmsten
Verhältnissen. "Für viele Familien sind die Angebote der Medresen äußerst
attraktiv, denn sie bieten neben geregelten Mahlzeiten bisweilen auch eine
Unterkunft an." Lediglich 12.000 Medresen sind staatlich anerkannt, die anderen
arbeiten völlig losgelöst vom staatlichen Bildungssystem.
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"Problematisch ist das auch mit Blick auf weiterführende Schulen. Die Kinder
haben nach einer Madrasa in der Regel keine Chance, dort aufgenommen zu werden.
Deshalb fordern wir, dass die Medresen neben der religiösen Bildung auch
Mathematik und Fremdsprachen in den Lehrplan aufnehmen", so Shujaat. Auch wenn
der überwiegende Teil der Medresen in Pakistan lediglich religiöse Bildung
anbietet, ist SPARC über das Gefährdungspotential besorgt. "Es gibt auch
Medresen, in denen Kinder politisch indoktriniert werden und schon früh in den
militanten Kampf von Islamisten hineingezogen werden." SPARC tritt dafür ein,
dass die pakistanische Regierung rasch das Zusatzprotokoll zur
UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Es verbietet Regierungen und bewaffneten
Gruppen, Kinder und Jugendliche unter 18 in Konflikten und Krieg
einzusetzen.
Die Kindernothilfe und ihre Partner unterstützen in Pakistan rund 1200 Kinder in 12 Projekten. 2006 gab die Kindernothilfe mehr als 1,2 Millionen Euro für die Arbeit in Pakistan aus.
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