Die derzeitige Dürre in China ist nach Auffassung des WWF vom
Menschen verursacht sowie Ausdruck einer umfassenden und allgemeinen
Wasserkrise im Reich der Mitte. "Obwohl China zu den
wasserreichsten Ländern der Erde gehört, wird das Süßwasser
immer knapper und wird bald hunderte Millionen Menschen in ihrer
Existenz bedrohen", so WWF Süßwasserexperte Martin Geiger.
Ursachen für die sich weiter verschärfende Wasserkrise in China
sind vor allem Wasserverschwendung und Bodenerosion. Seit 1949
hat sich der Wasserbrauch in China verfünffacht. Bis zu 70 Prozent
des verbrauchten Wassers wird in der Landwirtschaft eingesetzt. Vor
allem im trockenen Norden ist man auf Bewässerungssysteme
angewiesen. Aufgrund veralterter Bewässerungsanlagen und hoher
Verdunstungsraten kommt höchstens die Hälfte des Wassers auf den
Feldern an. Die Umleitung von Gewässern zur Versorgung der
Bewässerungslandwirtschaft sowie schlecht geplante Staudämme haben
dazu geführt, dass Flüsse wie der Gelbe Fluss zeitweise oder
völlig austrocknen.
"Was wir in China erleben sind die Vorboten einer globalen
Wasserkrise" so Martin Geiger. "Wasser wird immer knapper und
könnte bald zu den kostbarsten Gütern des Planeten gehören. Nicht
nur in China, sondern auch global brauchen wir deshalb einen
verantwortungsvolleren und effizienteren Umgang mit der Ressource
Wasser".
37 Prozent der Landfläche sind in China von Erosion betroffen. Ein
Grund für den starken Bodenverlust sind industrielle und
Siedlungs-Baumaßnahmen, durch die die Vegetation zerstört wird und
der Regen den Boden leichter wegspülen kann. Auch die Zerstörung
großer Waldflächen trägt zur hohen Erosionsrate bei.
Chinas Niederschläge sind sehr ungleichmäßig verteilt. Der
stärker besiedelte Norden des Landes erhält nur etwa 20 Prozent
der Niederschläge, weshalb dort die Gewässer und
Grundwasserkörper durch den Bevölkerungswachstum, intensive
Landwirtschaft und den wirtschaftlichen Aufschwung bereits stark in
Mitleidenschaft gezogen wurden. Die landwirtschaftlichen und
industriellen Gebiete der dicht besiedelten Nordchinesischen Ebene
sind besonders betroffen.
China verfügt zwar über sieben Prozent der globalen
Frischwasser-Ressourcen, muss damit aber auch 22 Prozent der
Weltbevölkerung versorgen. Bereits jetzt ist die
Trinkwasserversorgung von über 300 Millionen Chinesen, vor allem in
ländlichen Regionen, gefährdet. Der WWF befürchtet, dass sich die
Situation bis 2030 massiv verschärfen wird. Dann wird die
Bevölkerung auf 1,6 Milliarden angewachsen sein, so dass die
Wasserverfügbarkeit von bereits knappen 2.300 Kubikmeter pro Kopf
und Jahr noch weiter abfallen wird und fast den offiziellen
Grenzwert für Wasserknappheit von 1.700 Kubikmetern erreicht.