EU muss Beimischungszwang für Agrokraftstoffe abschaffen. So
genannter Biosprit ist Klimakiller statt Klimaretter
|
| Berlin (ots), 22. Januar 2008 |
Einen Tag vor Veröffentlichung der EU-Pläne zum
Klimaschutz hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) die Abschaffung der Beimischungspflicht für Agrokraftstoffe
gefordert. Die Umwelteffekte des Einsatzes des so genannten "Biosprits" im Verkehrssektor seien derzeit negativ. Der Anbau von
"Biosprit" führe in der Gesamtbilanz nur zu geringen Reduktionen der
CO2-Emissionen, verursache jedoch vielfältige Umweltschäden. Sinnvoll
sei dagegen der Einsatz von heimischen Pflanzenölen aus ökologisch
orientiertem Anbau in stationären Kraft-Wärme-gekoppelten
Energieerzeugungsanlagen.
|
Was heute als Biosprit verkauft werde, habe zumeist mit Bio oder Öko nichts zu tun und sei ein klarer Etikettenschwindel. In Deutschland führe die Ausweitung der Produktion von Agrosprit dazu, dass unter dem Deckmantel des Umweltschutzes agrarische Monokulturen entstünden. Wenn die geplante Quote der Beimischung von zehn Prozent Agrartreibstoffen hierzulande erreicht werden solle, würden dafür rund sechs Millionen Hektar Land benötigt. Dies entspreche etwa der Hälfte der Ackerfläche, auf der bisher überwiegend Pflanzen zur Lebensmittelproduktion angebaut würden.
|
|
|
| photo: Su-Kyung Han |
|
|
"Es ist richtig, dass die EU-Kommission die Treibhausgase im
Verkehrsbereich um mindestens zehn Prozent mindern will. Die Vorgabe,
zehn Prozent Agrotreibstoffe bis spätestens 2020 in den Sprit zu
mischen, ist jedoch kontraproduktiv. Allein die Ankündigung der
Beimischungspflicht hat verheerende Wirkungen. In Indonesien und
Kolumbien wird bereits jetzt immer mehr Regenwald gerodet, um Platz
für Palmölplantagen und Agrosprit zu schaffen, der in reiche
Industriestaaten exportiert wird. Das beschleunigt den Klimawandel
zusätzlich", sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND
Der BUND kritisierte außerdem die im Klimapaket enthalte
EU-Nachhaltigkeitsrichtlinie für Agrartreibstoffe als
"Täuschungsmanover". Treibstoff von Palmöl- oder Sojaplantagen werde
künftig auch dann als nachhaltig eingestuft, wenn dafür Urwald
abgeholzt worden sei. Auf diese Weise bekomme selbst die Vertreibung
der lokalen Bevölkerung durch Agrarkonzerne und Ölfirmen das
Nachhaltigkeits-Label. "Die verheerenden ökologischen und sozialen
Folgen des Beimischungszwangs sollen mit der sogenannten
Nachhaltigkeitsrichtlinie für Agrartreibstoffe gezielt verschleiert
werden", sagte Weiger.
Die EU-Kommission und die Bundesregierung müssten aufhören, den
Eindruck zu erwecken, das extrem hohe Verkehrsaufkommen in den
Industrienationen sei kein Problem, wenn künftig mehr "Sprit vom
Acker" eingesetzt werden würde. Um die Treibhausgase im Verkehr
entscheidend zu senken, seien stattdessen strenge Verbrauchsvorgaben
für Autos, Tempolimits und verstärkte Investitionen in den
öffentlichen Personen- und Güterverkehr erforderlich.
|