Heute begann die 60. Tagung der Internationalen Walfangkommission
IWC in Santiago de Chile. Bis zum 27. Juni debattieren die
mittlerweile 80 Mitgliedsstaaten über die Zukunft von Walen,
Delfinen und Tümmlern. Doch um was geht es in Chile genau? Der WWF
sagt, was geschehen muss, damit viele der hoch bedrohten
Meeressäuger - vom über 30 Meter langen Blauwal, dem größten
Tier der Erde, bis zum kleinen Zwergwal - auch in drei Jahrzehnten
noch in unseren Weltmeeren schwimmen.
Die zehn WWF-Forderungen an die Staaten der IWC
1. Walfang stoppen: Seit 1986 wird den Walen offiziell eine Atempause
eingeräumt. Seither gilt ein Moratorium für den kommerziellen
Walfang aller Großwalarten. Drei Staaten jedoch machen weiter
Jagd auf diese Wale und legen ihre Fangquoten noch dazu selbst fest:
Island, Norwegen und Japan. Norwegen hat Einspruch gegen das
Moratorium eingelegt und ist damit nach den Statuten der Konvention
nicht an das einstweilige Verbot gebunden; Japan und Island berufen
sich auf den "wissenschaftlichen Walfang" (s.u.), nutzen die
getöteten Tiere jedoch für den eigenen nationalen Walfleischmarkt.
Der WWF fordert den sofortigen Stopp des "wissenschaftlichen"
Walfangs. Die Konsumenten in den Walfang-Nationen stehen auf Seiten
der Wale, immer weniger Menschen wollen das Fleisch noch
kaufen.
2. Den Anachronismus "Wissenschaftlicher Walfang" abschaffen: Die
IWC-Konvention stammt aus dem Jahre 1946. In Artikel VIII wird den
Mitgliedsstaaten das Recht eingeräumt, sich selbst die Erlaubnis
auszustellen, Wale für "wissenschaftliche Zwecke" zu töten. Dieser
Anachronismus - es gibt anerkannte Methoden, Wale wissenschaftlich
zu untersuchen, ohne sie zu töten - muss aufgelöst werden.
Schließlich deckt er selbst die Tötung stark bedrohter Arten wie
des Sei- und des Finnwals.
3. Ertrinken von Walen und Delfinen in Fischereinetzen beenden: Nach
WWF-Schätzungen ertrinken jedes Jahr etwa 300.000 Wale, Delfine und
Tümmler in den Netzen der Fischereiindustrie als ungewollter so
genannter Beifang. Es gibt technische Lösungen, die helfen, den
Beifang zu verringern. Der WWF fordert, diese Methoden als gute
Fischereipraxis international verpflichtend einzuführen.
4. Klimawandel bekämpfen: Der Klimawandel gefährdet viele ohnehin
bereits bedrohte Walarten zusätzlich. Besonders betroffen sind
wandernde Walarten, die in Kaltwasserregionen ihre wichtigsten
Nahrungsquellen haben. Steigt die globale Temperatur um mehr als
zwei Grad Celsius an, könnte dies unweigerlich das Aus für eine
Vielzahl heute bedrohter Meeressäuger bedeuten. Nach den Prognosen
einer neuen WWF-Studie wird allein der Lebensraum der Wale im
Südpolarmeer in 35 Jahren um bis zu ein Drittel geschrumpft sein.
Auch um der Wale willen fordert der WWF deshalb einen konsequenten
Kampf gegen den Klimawandel.
5. Meeresverschmutzung bremsen: Chemikalien, tote Zonen ohne
Sauerstoff, Lärm durch Schiffsverkehr: die blauen Weiten der Ozeane
sind alles andere als idyllisch. Meerestiere sind starkem Stress
ausgesetzt. Die Folge: Abmagerung, Fortpflanzungsunfähigkeit,
erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten. Der WWF fordert die IWC
auf, Verantwortung für den Schutz der Meere zu übernehmen. Dazu
gehört auch die konsequente Absage an Öl- und Gasförderung in
wichtigen Walgebieten - zum Beispiel vor der russischen Insel
Sachalin, vor der die wichtigsten Nahrungsgründe der letzten
einhundert Westpazifischen Grauwale liegen.
6. Schiffskollisionen vermeiden: Viele Wale, Delfine und Tümmler
kommen jedes Jahr ums Leben, weil sie mit Schiffen zusammenstoßen
oder in Schiffsschrauben geraten. Schuld ist auch der starke Lärm
unter Wasser und die Nutzung von Radar, der die empfindlichen Tiere
in ihrer Orientierung stört. Der WWF fordert, alle technischen
Möglichkeiten auszunutzen, um die Gefahren für Wale zu
vermindern.
7. Auf die Forschung hören: In den letzten Jahren hat die vor allem
von Japan und Island unterstützte Behauptung in der IWC
Karriere gemacht, Wale seien schuld am Zusammenbruch vieler
Fischbestände. Wissenschaftlich ist diese These längst vielfach
widerlegt worden. Der WWF fordert, diese unseriöse Behauptung
gemäß der wissenschaftlichen Fakten ein für allemal von der
Agenda der IWC zu streichen. Dazu wird der WWF zusammen mit anderen
Organisationen kommende Woche Berichte veröffentlichen und erneut
belegen, dass einzig die nicht nachhaltig betriebene industrielle
Fischerei die Überfischung bewirkt.
8. Schutzgebiete schaffen und finanzieren: An Land ist es
selbstverständlich, auf hoher See die absolute Ausnahme: Weniger
als ein Prozent unserer Weltmeere ist unter Schutz gestellt. Dies
soll sich ändern, haben 190 Staaten auf dem UN-Naturschutzgipfel in
Bonn vor rund drei Wochen beschlossen. Nun können 80 von ihnen
beweisen, dass es ihnen ernst ist mit diesem Bekenntnis. Der WWF
fordert die rasche Ausweisung von Meeresschutzgebieten und die
notwendige Finanzierung (z.B. für Kontrollen), um den Walen
Refugien zu bieten, in denen sich ihre Bestände erholen können.
9. Die Lähmung der IWC beenden: Seit Jahren wird auf IWC-Konferenzen
nur noch um Mehrheiten geschachert: Überstimmen die
Walfangbefürworter die Walschützer? Japan hat bereits vor einigen
Jahren öffentlich zugegeben, Entwicklungsländern Geld zu bieten,
damit sie in die IWC eintreten und dort für Japans Vorschläge
stimmen. Inzwischen haben beide Seiten einen nahezu identischen
Stimmenanteil. Die inhaltliche Arbeit ist durch diese Pattsituation
fast vollständig zum Erliegen gekommen. Der WWF fordert ein Ende
des Stimmenfangs für den Walfang und eine Konzentration auf die
Lösung der Probleme.
10. Die IWC reformieren: Sollen die weltumspannenden Gefahren für
Wale und Delfine auf der IWC verhandelt werden? Die Walfangnationen
sagen nein, die Walschutzstaaten ja. Dabei brauchen Wale
internationalen Schutz dringend wie nie: Alle anderthalb Minuten
stirbt ein Wal. Im vergangenen Jahr hat die IWC beschlossen, nach
neuen Wegen für die Konvention zu suchen. Der WWF fordert eine
Reform, die Wale endlich schützt.