Die globale Ausbeutung der Meere gefährdet mit dem Großaugen-Tun
(Thunnus Obesus) eine weitere Tunfischart. Weil die Fangflotten
immer weniger ausgewachsene Tiere aufspüren, weichen sie auf den
Nachwuchs aus. Im Pazifik machen kleine, junge Fische schon 60
Prozent der Fangmenge aus. Dies geht aus einem neuen Report von WWF
und TRAFFIC* hervor. "Dem majestätischen Großaugen-Tun droht die
gleiche Katastrophe, die wir schon seit langem bei seinem
Verwandten, dem Roten Tun, beobachten. Durch die massive Ausbeutung
der Jungfische wird den Beständen die Basis entzogen", erläutert
WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht. Insgesamt fünf
Tunfisch-Arten stehen bereits auf der Roten Liste der gefährdeten
Arten - der Großaugen-Tun zählt bislang noch nicht dazu. Aber
das könnte sich bald ändern, fürchtet der WWF.
Damit drohe nicht nur ein neuerliches ökologisches Desaster. Auch
wirtschaftlich sei der Raubbau fatal, so der WWF. Viele Fischer
könnten ihre Arbeit verlieren. In mehreren pazifischen Inselstaaten
zählen die Gebühren aus dem Verkauf der Fischereirechte zu den
wichtigsten staatlichen Einnahmequellen. Ein Wegfall würde die
öffentlichen Kassen erheblich belasten.
Ein Großaugen-Tunfisch wird bis zu zwei Meter fünfzig lang und elf
Jahre alt. Die Art ist im Atlantik, im Pazifik und im Indischen
Ozean heimisch. Jährlich werden 430.000 Tonnen Großaugen-Tun
gefangen. Hauptabnehmer ist Japan, aber auch die USA und die EU
importieren Großaugen-Tun. Er wird zu Sushi und Sashmi verarbeitet,
aber auch in Dosen, als Tiefkühlfisch und als Steak gehandelt.
"Wissenschaftler warnen seit Jahren vor dem Einbruch der
Fischbestände und mahnen geringere Fangquoten an. Doch Politik und
Unternehmen ignorieren diese Warnungen beharrlich", so die
WWF-Sprecherin. Zuletzt hatte die Fischereikommission für den
westlichen und mittleren Pazifik (WCPFC) die vorgeschlagene
Verringerung der Fangmenge um 25-30 Prozent abgelehnt.
Dabei könnte sich der Großaugen-Tun bei einer schonenden
Bewirtschaftung als wahrer Geldsegen für Fischer und Staaten
erweisen, betont der WWF-Report. "Statt Jungfische als Billigware
in Dosen abzufüllen, könnten ausgewachsene Tunfische in Japan als
teures Suhsi verkauft werden", erläutert Schacht. Der
Großaugen-Tun könnte dabei die Lücke schließen, die durch die
Überfischung des Roten Tunfischs entstanden ist. Das funktioniere
aber nur, wenn die Jagd auf Jungfische aufhöre und die Bestände
endlich nachhaltig gemanagt würden. Tunfisch gilt weltweit als
überfischt, manche Bestände sind in den letzten 50 Jahren um 90
Prozent geschrumpft.