Weltweit sterben immer mehr Menschen daran, dass sie sowohl mit HIV
als auch mit Tuberkulose infiziert sind. Die weltweit wachsende Bedrohung durch die
Koinfektion der beiden lebensbedrohlichen Krankheiten stand im Mittelpunkt des
internationalen Symposiums des Koch-Metschnikow-Forums „HIV & TB – a deadly alliance“ in Berlin kurz vor dem Welt-AIDS-Tag (1. Dezember).
Eine Woche vor dem 20. Welt-Aids-Tag wiesen die Referenten des Forums darauf hin, dass
die Ausbreitung von HIV auch der Ausbreitung von Tuberkulose Vorschub leiste – und das
sowohl in Afrika als auch in Osteuropa und Zentralasien.
„Die steigenden HIV-Raten sorgen dafür, dass auch die Zahl der Todesfälle durch TB rasant
wächst“, warnt Dr. Timo Ulrichs vom Koch-Metschnikow-Forum, das sich der
gesundheitlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland verschrieben hat.
„Schon jetzt ist Tuberkulose unter HIV-Infizierten mit 12% die häufigste Todesursache“,
erläutert Ulrichs. Der Grund: HIV-Infizierte haben ein 50-fach erhöhtes Risiko, an der
hochansteckenden Tuberkulose (TB) zu erkranken.
Zudem beobachten Ärzte die Ausbreitung mehrfach arzneimittelresistenter TB-Erreger bei
HIV-Infizierten. Diese „multiresistenten“ Erreger, die vor allem in Zentralasien und Osteuropa
für eine starke Zunahme der Tuberkulose verantwortlich sind, breiten sich nun auch in der
afrikanischen Subsahara aus.
„In Staaten mit hoher HIV-Infektionsrate wie Lesotho oder Südafrika sind mehr als 80% der
TB-Patienten auch HIV-infiziert“, bestätigt Dr. Frauke Jochims von „Ärzte ohne Grenzen“.
„Ausgerechnet bei dieser stark gefährdeten Patientengruppe versagen die herkömmlichen
TB-Diagnose-Methoden, wie Mikroskopie und Röntgen, in mehr als der Hälfte der Fälle“,
beschreibt sie die Brisanz der Situation. Zuverlässigere Methoden seien dagegen in den
ländlichen Regionen nur schwer durchführbar.
Laut WHO sterben jährlich 1,6 Millionen Menschen an Tuberkulose, 9 Millionen erkranken
neu. Für 2006 schätzte die Weltgesundheitsorganisation etwa 14 Millionen
Tuberkuloseerkrankte. In der WHO-Euro-Region treten drei Viertel aller Neuerkrankungen in
den Ländern Kasachstan, Rumänien, Russland, Usbekistan, Ukraine und Türkei auf. Hier
sind multiresistente Tuberkuloseviren auf dem Vormarsch, die mit den üblichen
Medikamenten nicht mehr wirksam bekämpft werden können. Auch die HIV-Rate nimmt in
den Ländern Osteuropas und Zentralasiens besorgniserregend zu.
„Wir brauchen neue TB-Testmethoden unter HIV-Positiven, um die TB zurückzudrängen!“,
fordert Dr. Manuela Rehr vom Imperial College London, das bereits seit Jahrzehnten
Gesundheitsprojekte in Afrika durchführt. Das College hat die Kampagne „Survival“ initiiert,
die unter anderem durch die gleichnamige BBC-Filmreihe auf die existenziellen
medizinischen Notstände in der Subsahara aufmerksam macht. Es gebe, so Rehr, einen
neuen, viel zuverlässigeren Test, der auf der Abgabe von Interferon-gamma basiere. „Solche
Tests würden uns helfen, die Diagnose fehlerfrei und zuverlässig durchzuführen.“
Die internationalen Experten des Symposiums waren sich einig, dass die hohe Sterblichkeit
durch die Koinfektion von HIV und TB in den besonders betroffenen Gebieten nur durch
flächendeckende Tests zur zuverlässigen und frühzeitigen Erkennung von Tuberkulose zu
reduzieren ist. Dazu sind vermehrte Anstrengungen in der Forschung notwendig und v.a.
eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen HIV/AIDS- und Tuberkuloseprojekten.