Malaria vor Ort besiegen
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Europäisch-afrikanische Malariakampagne setzt sich für preiswerte und lokal
produzierte Medikamente in Afrika ein. Ein Hintergrundbericht (Teil 1) |
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STOP MALARIA NOW! 12. November 2008 |
Zuerst kommt das Fieber, dann die Angst vor dem Tod. Mehr als eine Million Menschen sterben in Afrika jedes Jahr an den Folgen der Malaria. Besonders betroffen sind Kinder und schwangere Frauen. Die Infektionskrankheit ist südlich der Sahara ein ebenso großes Gesundheitsproblem wie HIV/AIDS. Aber auch für Touristen ist die durch den Stich von Mücken übertragene Tropenkrankheit eine ernst zu nehmende Gefahr. Allein in Deutschland werden pro Jahr 1.000 Malariafälle bei Urlaubern registriert. Das liegt zum einen an unzureichender Vorbeugung, zum anderen aber auch daran, dass die bislang verwendeten Chemo-Medikamente deutlich an Schlagkraft verlieren.
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| photo: Birgit Betzelt/action medeor |
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Wiederentdeckte Pflanzenwirkstoffe sollen nun ein neues Kapitel im Kampf gegen die „uralte Geißel der Menschheit“ aufschlagen.
Behandlung mit Naturwirkstoff
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| photo: Birgit Betzelt/action medeor |
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Durch die in Afrika weit verbreitete Resistenz des Malaria-Erregers gegen den Wirkstoff Chloroquin, steht dieses einst preisgünstigste Malariamittel nicht mehr zur wirkungsvollen Behandlung zur Verfügung. Andere wirksame Chemo-Therapeutika sind wesentlich teurer. Eine weltweit einsetzbare Schutzimpfung wird es trotz Forschung wohl erst in zehn bis 15 Jahren geben. Bis dahin sind mit Insektiziden behandelte Moskitonetze noch immer die effektivsten Mittel zur Vorbeugung.
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Doch die Behandlung der Krankheit macht Fortschritte. Vor gut einem Jahrzehnt wurde in der westlichen Malaria-Forschung ein seit Jahrhunderten bekanntes Kraut neu entdeckt: In Heilkundebüchern ist der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) seit dem 16. Jahrhundert verzeichnet. Als Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin ist er aber vor allem in China schon seit Jahrtausenden bekannt. Das aus der Pflanze gewonnene Artemisinin und seine Derivate Artesunate und Artemether sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die zur Zeit effektivsten Mittel zur Behandlung der gefährlichsten Form der Malaria, die durch den Erreger Plasmodium falciparum hervorgerufen wird.
Sie werden in Form von Kombinationen mit jeweils einem anderen Malariamittel (Artemisinin
based Combination Therapy - ACTs) oder als Monotherapie eingesetzt. Der
Pflanzenwirkstoff blockiert den Calziumaustausch und dadurch den Stoffwechsel in den
Malaria-Erregerzellen.
Artemisinin-Derivate haben geringe Nebenwirkungen und wirken sehr effektiv und
schnell. Bislang konnten kaum Resistenzen beobachtet werden. Allerdings sind Kombinationspräparate
teuer und für die meisten Menschen in Afrika unerschwinglich. Auf
dem freien Markt sind sie dort für vier bis sechs Euro pro Behandlung zu haben, den
öffentlichen Sektor kosten sie zwischen 80 Cent und zweieinhalb Euro. Chloroquin war
seinerzeit bereits für fünf Cent zu bekommen.
Teurer Weltmarkt
Durch eine Empfehlung der WHO zum Gebrauch von Artemisinin - basierten Malariamedikamenten
im Jahre 2003 und durch die Monopolstellung nur eines industriellen Großanbieter
(Novartis mit dem Mittel Coartem/Riamet) kam es im Jahr 2004 zu einer massiven
Verknappung und Verteuerung des Wirkstoffs Artesunat. Dieser muss zu hohen
Preisen in Asien eingekauft werden. Denn der Chinesische Beifuss wird noch fast ausschließlich
in Asien - vor allem in China und Vietnam - angebaut und dann entweder in
Asien oder in Europa verarbeitet, um schließlich als Medikament nach Afrika exportiert
zu werden. Aufgrund dessen kann nur etwa die Hälfte des heutigen Bedarfs an Artemisinin-
basierten Malariamitteln produziert werden.
Im Jahr 2003 hatte das deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor Artesunate
noch für 450 Euro pro Kilo von einem vietnamesischen Hersteller einkaufen können.
Eine Anfrage im April 2005 ergab bereits die Verdoppelung des Preises.
Die Kosten für Artemisinin und dessen Derivate könnten hingegen deutlich gesenkt werden,
wenn neuere effektivere Produktionsmethoden zum Einsatz kämen und wenn der
asiatischen Monopolstellung Wettbewerber gegenüber stünden.
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