Wettlauf um Nahrung und Ackerfläche |
Die Weltbevölkerung wächst schneller als die Getreideproduktion |
| Oktober 2005, Deutsche Welt Hunger Hilfe |
Weltweit wurden 2004 über zwei Milliarden Tonnen Getreide geerntet – ein Rekord und rund 16 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Doch das Jahr 2004 war ein Ausnahmejahr. Durchschnittlich wächst die Erntemenge schon seit vielen Jahren langsamer als die Weltbevölkerung. Heute werden gut 300 Kilogramm Getreide pro Erdbewohner geerntet. Das entspricht etwa dem Stand vor 30 Jahren.
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| Grafik: DWHH: Tränkle, Immel - Quelle: FAO, 2005 |
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Die zwischenzeitlichen Erfolge durch verbessertes Saatgut, intensive Bewässerung, Dünger- und Pestizideinsatz sind vom Bevölkerungswachstum wieder aufgezehrt worden. Dennoch: Rein rechnerisch wird genug Getreide produziert, um alle Menschen ausreichend zu ernähren. Doch fast die Hälfte des Korns wird an Vieh verfüttert. Aus 100 Kalorien im Getreide werden zehn Kalorien im Fleisch. Durch diese „Veredelung“ gehen 90 Prozent der geernteten Nahrungskalorien verloren. Und die Fleischproduktion steigt weiter.
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Dramatisch entwickelt sich die verfügbare Ackerfläche pro Kopf der Erdbevölkerung. Heute steht für den Anbau von Getreide etwa genau so viel Fläche zur Verfügung wie 1970 – doch damals gab es knapp drei Milliarden Menschen weniger. Konkret: Damals wurden weltweit rund 0,18 Hektar Ackerfläche pro Kopf angebaut, heute sind es noch knapp 0,11 ha. Der Trend wird anhalten.
Durch Erosion, Versalzung oder Austrocknung gehen jährlich rund sieben Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren – alle fünf Jahre eine Fläche der Größe Deutschlands. Das entspricht etwa einem halben Prozent der weltweiten Landwirtschaftsflächen. Zugleich werden immer neue Flächen durch künstliche Bewässerung und Terrassierung, durch Abholzen und den Einsatz von Dünger urbar gemacht. Doch damit sind meist gravierende Eingriffe in den Naturhaushalt verbunden. Oft sind so gewonnene Ackerflächen nach wenigen Jahren schon wieder ausgelaugt. Mittlerweile gelten mehr als ein Viertel aller genutzten Böden als gefährdet.
Experten schätzen, dass jährlich rund 25 Milliarden Tonnen Bodenkrume verloren gehen. Nach UN-Berechnungen müssten in den kommenden 20 Jahren insgesamt rund 200 Milliarden Dollar für Bodenschutzprogramme ausgegeben werden, um den Verlust von Ackerflächen und die Ausbreitung der Wüsten einzudämmen. Doch nur ein Bruchteil dieser Summe wird tatsächlich bereitgestellt.
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