Die deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen hat im
vergangenen Jahr 34,5 Millionen Euro eingenommen. "Damit haben sich die
Einnahmen auf hohem Niveau stabilisiert", sagte der Vorstandsvorsitzende,
Tankred Stöbe, am Freitag in Berlin. Ausgegeben hat die Organisation im Jahr
2007 insgesamt 45,7 Millionen Euro. Mit fast 87 Prozent der Ausgaben (39,6
Mio Euro) wurden die Projekte der Organisation unterstützt. Die Ausgaben
waren damit höher als die Einnahmen. Zu den Ländern, die am meisten
finanzielle Unterstützung erhielten, gehören Myanmar (Birma) und Somalia.
Die Krisen in diesen Ländern erhalten nach wie vor zu wenig öffentliche
Aufmerksamkeit.
"Knapp drei Monate nach dem Zyklon Nargis brauchen die Überlebenden noch
immer Hilfe", sagte Stöbe. "Mehr noch: Die Bevölkerung Myanmars hat sich
bereits vor dem Sturm in einer dramatischen Situation befunden, von der man
aber nur wenig erfahren hat." Die Birmesen leben seit 1962 praktisch von der
Außenwelt abgeschlossen und leiden unter Unterdrückung und Vernachlässigung.
Das Regime gibt so wenig für Gesundheit aus wie kaum eine andere Regierung
weltweit. Gleichzeitig macht es die Arbeit für Hilfsorganisationen schwer.
Nur wenige waren vor dem Sturm vor Ort.
Zehntausende Birmesen sterben jährlich an Malaria und HIV/Aids. "Zu einer
chronischen Krise kam mit Nargis eine akute Katastrophe dazu", sagte Stöbe.
Er warnte davor, die Birmesen wieder zu vergessen. "Die Menschen leiden
weiter und wir dürfen sie nicht allein lassen", sagte er. "Es gibt weiter
viel zu tun und dafür ist die Hilfe von vielen Organisationen notwendig."
Auf die kritische Situation in Somalia machte Frank Dörner, Geschäftsführer
von Ärzte ohne Grenzen, aufmerksam. Die Organisation arbeitet seit 1991 in
dem ostafrikanischen Konfliktland. Das Leid der Menschen und die
Schwierigkeiten, ihnen zu helfen, seien schon immer groß gewesen, sagte
Dörner. "In den vergangenen Monaten hat sich die Situation aber noch einmal
drastisch verschlimmert. Gleichzeitig erleben wir, wie die Menschen immer
weniger Hilfe erhalten."
Geschätzte zwei Millionen Menschen sind in Somalia vertrieben worden. In
provisorischen Unterkünften versuchen Hunderttausende, ohne ausreichend
sauberes Wasser oder medizinische Versorgung zu überleben. Ärzte ohne
Grenzen hat 2007 rund eine halbe Million Konsultationen durchgeführt und
mehr als 10.000 Patienten stationär behandelt, darunter Tausende
Gewaltopfer.
Derzeit ist es für die Organisation aber nicht mehr möglich, dauerhaft
internationale Mitarbeiter vor Ort zu haben. Ende Januar wurden drei ihrer
Mitarbeiter bei einem gezielten Anschlag getötet. Die Programme von Ärzte
ohne Grenzen laufen aber dank des großen Engagements der somalischen
Mitarbeiter vorerst weiter. "Wir wissen nicht, wie lang die Projekte ohne
internationale Experten auskommen können", sagte Dörner. Er forderte alle
Konfliktparteien und die Bevölkerung dazu auf, unabhängige humanitäre Hilfe
möglich zu machen.
Die Mehrausgaben im Jahr 2007 waren durch freie Rücklagen aus dem Jahr 2006
möglich. Diese Rücklagen sind eine indirekte Folge des allgemein sehr hohen
Spendenaufkommens nach dem Tsunami 2004 in Südostasien. "Obwohl alle
Tsunamispenden bereits bis Ende 2006 vollständig eingesetzt wurden, verblieb
eine hohe freie Rücklage für die Mehrausgaben", sagte Stöbe.