Entwicklungshelfer brauchen Sicherheit
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Vor allem einheimische Mitarbeiter sind gefährdet
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DWHH, Karl-Albrecht Immel, Juli 2008 |
Entwicklungshelfer leben gefährlich – das gilt vor allem für die einheimischen Partner großer internationaler Organisationen. Vor allem in Krisengebieten in Afghanistan, im Irak, in Somalia und im Sudan werden immer öfter auch zivile Helfer angegriffen, getötet oder entführt. Rund drei Viertel aller Opfer sind einheimische Aktivisten, die für Nichtregierungsorganisationen arbeiten.
Noch vor zehn Jahren mussten vor allem UN-Mitarbeiter fürchten, ins Fadenkreuz von Rebellen, Terroristen oder ganz gewöhnlichen Verbrechern zu geraten. Das führte zu verstärkten Sicherheitsvorkehrungen, die offenbar Wirkung zeigen: Immer seltener richten sich Überfälle direkt gegen das zivile Personal der Vereinten Nationen. Stärker gefährdet sind dagegen Mitarbeiter kleinerer einheimischer Organisationen, die sich aufwändigen Schutz nicht leisten können und lokales Personal großer Organisationen. Das Welternährungsprogramm der UNO erwägt zum Beispiel, die Arbeit in Somalia einzustellen, weil in den vergangenen Monaten immer wieder einheimisches Personal vor Ort erschossen oder gekidnappt wurde.
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Entwicklungshelfer werden nur selten zufällig Opfer gewaltsamer Übergriffe. Meist sind die Angriffe politisch begründet und richten sich ganz gezielt gegen die Helfer, die oft als „Kollaborateure“ betrachtet werden. Rebellen, die gegen die Regierung kämpfen, verschaffen sich auf diese Weise Öffentlichkeit und treffen dabei die Ärmsten. Das trägt zur Destabilisierung bei – ganz im Sinne der Aufständischen.
Jahrzehntelang wurde der geschützte Status humanitärer Helfer weitgehend respektiert. Das hat sich geändert. Zudem sind militärisches Personal und zivile Helfer manchmal nur schwer auseinander zu halten. So sind zum Beispiel in Afghanistan Militärs in weißen Geländewagen unterwegs – ähnlich wie die zivilen Helfer.
Doch nicht nur Verbrecher missachten zunehmend den Status ziviler Helfer. Auch von staatlicher Seite werden die Symbole humanitärer Organisationen missbraucht. Als kolumbianische Regierungssoldaten Anfang Juli 2008 die Politikerin Ingrid Betancourt und 14 weitere Geiseln aus den Händen von FARC-Rebellen befreiten, trug ein Armeeangehöriger zur Tarnung eine Weste mit dem Emblem des Roten Kreuzes – ein klarer Verstoß gegen die Genfer Konvention, den Präsident Uribe später achselzuckend bedauerte.
Objektive Grenzen für „akzeptable“ Gefahren gibt es nicht. Wann Helfer abgezogen werden, muss immer im Einzelfall entschieden werden. Die größeren Hilfswerke bemühen sich aber zunehmend darum, ihre Mitarbeiter zu schützen, dazu gehört vor allem der Versuch, gute und direkte Beziehungen zu den Konfliktparteien aufzubauen und die Helfer zu trainieren, sich unauffällig im Land zu bewegen und sich zu integrieren.
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