Stottern
|
Ein Gedicht von K. Satchidanandan aus Indien
|
|
Frankfurt am Main, Oktober 2005, K. Satchidanandan
|
|
|
photo: Su-Kyung Han
|
|
|
|
Stottern ist keine Behinderung.
Es ist eine Art zu sprechen.
Stottern ist das Schweigen, das fällt
zwischen Wort und Bedeutung,
gerade wie die Lahmheit das
Schweigen ist, das zwischen
Wort und Tat fällt.
Ging Stottern der Sprache voraus
oder folgt es?
Ist es nur eine Mundart oder
Sprache selbst? Diese Fragen
lassen den Sprachforscher stottern.
Mit jedem Stottern
bringen wir ein Opfer
dem Gott der Bedeutungen.
Wenn ein ganzes Volk stottert,
wird Stottern seine Muttersprache;
so wie es jetzt ist mit uns.
Gott auch muss gestottert haben,
als er den Menschen schuf.
Deshalb bergen alle Menschenworte
verschiedene Bedeutungen.
Deshalb, alles, was er sagt
von seinen Gebeten zu seinen Geboten,
stottert,
wie das Gedicht.
|
|
|
|