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Nationale Integrationsmodelle in der Krise?

Untersuchung zur Integrationsdebatte in Europa

Lyon, 20. August 2010

Das Thema Integration steht seit Jahren im Mittelpunkt politischer Diskussionen, in denen es insbesondere auch um die Frage der nationalen Identität geht. In diesem Zusammenhang stößt die Forschungsarbeit des am Collegium de Lyon tätigen Wissenschaftlers Christophe Bertossi auf besondere Resonanz.

Christophe Bertossi, Doktor der Politikwissenschaften, arbeitet derzeit an einer vergleichenden Studie über Multikulturalismus und "ethnische Diversität" in Westeuropa und in den USA. Dabei stellt er die Politik und die öffentlichen Debatten zum Thema Integration in Frankreich, Großbritannien, den USA und den Niederlanden vergleichend gegenüber.

Ziel seiner Forschung ist es, die Grenzen der traditionellen Anwendung des "Integrationsmodell"-Begriffs zu identifizieren und zu analysieren. Er interessiert sich insbesondere für den Integrationsbegriff in Frankreich, wo die ethnische bzw. Volkszugehörigkeit[1] kein legitimes Studienobjekt darstellt.

Die Integrationsmodelle müssen neu definiert werden.

Die Forschergemeinschaft hat es sich in der Vergangenheit zur Gewohnheit gemacht, die Staatsbürgerschaft und die Integration von Migranten auf der Grundlage so genannter "klassischer" Modelle zu untersuchen wie z.B. des "Republikanischen Modells" in Frankreich, des "multikulturellen Modells" im angelsächsischen Raum oder aber des Multikulturalismus in den Niederlanden. Man nutzte diese Modelle, um den den Minderheiten zukommenden Platz in der Gesellschaft einzelner Länder zu beurteilen und Unterschiede innerhalb der verschiedenen Integrationspolitiken vergleichend gegenüberzustellen.

Das Besondere an der Forschungsarbeit von Christophe Bertossi besteht vor allem in seiner Absicht, mit diesen Modellen zu brechen und ihre Grundgedanken in Frage zu stellen. Dabei nimmt er diese scheinbar unveränderbaren Modelle auseinander, um die Unterschiede der einzelnen Immigrationspolitiken verschiedener Länder aufzuzeigen. Er erklärt seine Methodik wie folgt: "Ich betrachte die Problemstellung der Staatsbürgerschaft und ethnischen Zugehörigkeit nicht von oben nach unten (erst die Modelle und dann die Akteure), sondern in umgekehrter Richtung, von unten nach oben. Das bedeutet, dass ich zuerst einmal untersuche, was die Akteure in der Praxis tun, dann die politischen Debatten und Maßnahmen betrachte und mich erst zum Schluss den Modellen zuwende." Im Mittelpunkt seiner Forschung steht somit die Erfahrung des "einfachen Bürgers". Bertossi hat bereits mehrere Feldstudien in militärischen Kreisen, bei der Polizei und in privaten und staatlichen Krankenhäusern in Frankreich durchgeführt.

Frankreich: Ein republikanisches Modell in der Krise?

Laut Christophe Bertossi bedeutet die Infragestellung der "nationalen Integrationsmodelle" die Erkenntnis der Unklarheiten in den Aussagen derjenigen, die von einer "Integrationskrise" sprechen. Aber sind es nicht vielmehr diese Modelle selbst und das Bild, das wir von ihnen haben, die in einer Krise stecken?

Statt so oft von der Krise der republikanischen Integration in Frankreich zu sprechen, sollte man sich erst einmal einige Fragen zum Wesen dieser Republik stellen. Denn in den vergangenen drei Jahrzehnten hat es nicht weniger als drei verschiedene "republikanische Modelle" gegeben: das Nationalitätsmodell in den 1980er Jahren, das Modell des Kampfes gegen die Diskriminierung in den 90er Jahren, dasjenige des Laizismus, der Trennung von Kirche und Staat, unmittelbar nach der Jahrtausendwende und heute das Modell der Assimilation durch die nationale Identität.

Auf welche Realität zielt das Integrationskonzept heute eigentlich ab? Auf eine sozioökonomische oder eine soziokulturelle Integration?

Ein Interview mit Christophe Bertossi -- >>

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